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#Aufschrei

Lange habe ich überlegt, ob ich irgendwas Flammendes zur laufenden #Aufschrei-Diskussion auf Twitter schreiben sollte. Aber eigentlich resigniere ich nur.

Und das liegt daran, dass stammhirnige Männer (im Geiste; die Einordung ist im Kern lebensalterunabhängig), die bisher – und vermutlich auch in Zukunft – keine Veranlassung sahen und sehen, ihre respektfreien Handlungsweisen im Alltag zu überdenken, sich weiterhin frei äußern dürfen ohne auch nur ansatzweise eine Grundscham zu entwickeln.

Das ist einfach nur peinlich.

Vermutlich hat jeder Mann seine #Aufschrei-Leichen im Keller. Und so wie Frauen manchmal erst darüber nachdenken müssen, ob sie solche Erlebnisse hatten – so tritt auch Männern der kalte Schweiß auf die Stirn, wenn sie kurz darüber nachdenken, was sie schon alles gesagt und getan haben, das genau in die #Aufschrei-Schablone passt.

Politiker sollten nicht den Fehler machen, den „undercurrent“, die tiefe, kraftvolle Strömung, die dieses wenige Tage alte „Twitterphänomen“ besitzt, zu unterschätzen. Achtet sehr darauf, was ihr sagt, welche Einsichten ihr zeigt und ob ihr weiter knackige Sprüche absondert, die euren begrenzten Horizont aufleuchten lassen. Wenn ihr es tut, seid auf einen vollständigen Dammbruch gefasst. Denn jede Frau hat diese Erlebnisse. Eure eigene, eure Töchter, eure Mütter.

Und, liebe Politiker, es ist eure Aufgabe, eine Haltung vorzuleben, die von tiefem Respekt der Menschen untereinander geprägt ist. Aber damit habt ihr ja ohnehin oft ein Problem.

In dieser Diskussion geht es neben fehlendem Respekt insbesondere auch um den Missbrauch einer Machtposition: Fragt eure Töchter, was sie an Schulen mit Lehrern erlebt haben. Fragt eure Frauen, was sie am Arbeitsplatz mit Kollegen und Vorgesetzten erlebt haben. Wenn ihr dann nicht vor Scham im Boden versinkt, habt ihr ein Problem, das ihr mit professioneller Hilfe angehen solltet. Die Zeit der Duldung ist abgelaufen. Stellt euch darauf ein, dass ihr künftig als Mentaldinosaurier wahrgenommen und belächelt werdet, wenn ihr euer Verhalten nicht ändert.

Ja, auch ich habe gesündigt. Manchmal habe ich es bemerkt. Sehr, nein, viel zu selten bekam ich dafür (verbal) eins in die Fresse. Aber ich habe es gespürt, wenn ich die #Aufschrei-Grenze überschritten habe. Und ich lernte daraus, mein Gegenüber deutlicher, weniger egomanisch und liebevoller wahrzunehmen; mehr Respekt zu leben.

Achtet euer Gegenüber. Immer.