Archiv der Kategorie: Politik

Die ARD und die Sonntagstalkshow

Ich ärgere mich über die ARD. Sehr.

Ich denke, ich ärgere mich hauptsächlich, weil vor meinem geistigen Auge ein Haufen alter Säcke zigarrenqualmend in seinen Clubsesseln verschimmelt und nach Gutdünken bescheidet, wer den exklusiven Sendeplatz am Sonntagabend füllen soll.

Der Altherrenclub beschied, dass Frau Christiansen das machen soll. Er beschied, dass Frau Will das machen soll. Er beschied, dass Herr Jauch das machen soll. Und nun beschied er wieder, dass Frau Will das machen soll.

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„In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger

Weshalb ich das las

Schmutztitel In Stahlgewittern

Ich gehöre einer Generation an, deren Großeltern als junge Erwachsene den zweiten Weltkrieg erlebt haben. Die eine Seite sprach viel von der Zeit, der Welt vor dem Krieg, den Eltern, deren Berufen, weniger vom Krieg selbst. Die Generation meiner Großeltern, geboren um 1918 herum, hatte wenig Zeit, selbst einen Beruf zu erlernen, Mensch zu werden.

Der eine Großvater holte mitunter weit aus und erzählte von „Gemetzeln“. Ein Ausdruck, der für jemanden wie mich, der 1971 in einer satten Bundesrepublik Deutschland geboren wurde, stets blass und irrational blieb. Aber es war klar, dass der Mann Dinge erlebt hat, die ich mir nicht vorstellen kann. Die Großmutter schüttelte nur den Kopf. Nein, dazu wollte sie nichts sagen. Sie hat als Krankenschwester die zerfetzten Körper flicken sollen. Reden? Besser nicht.

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Pegida und das Vertrauen

Wäre es nicht so entsetzlich traurig zu sehen, wie schwer sich die etablierte Politik und die Medien mit Pegida in Dresden tun, es wäre vielleicht lustig.

Mein Gefühl ist relativ eindeutig, wer da auf der Straße ist. Leider fehlen mir Informationen, ob Politik und Medien sich überhaupt redlich bemühen, herauszubekommen, ob das tatsächlich so ist. Man regt sich lieber – vorsichtig, ein bisschen – darüber auf, dass es Pegida gibt.

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Bundeswäh.

Die Bundeswehr. Ich darf was dazu sagen, weil ich nach dem Abi 1991 ein Jahr lang bei dem Verein mitspielen durfte. Damals fand ich das ziemlich blöd; aber man arrangiert sich.

Aus heutiger Sicht war es eine wertvolle Erfahrung, denn ich habe Einblicke erhalten, die es mir heute ermöglichen zu verstehen, wo Militarismus herkommen kann – und wie er möglicherweise zu verhindern ist.

Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt:

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#Neuland

Eine unterhaltsames Merkel-Bashing setzte ein, nachdem sie auf der Obama-Pressekonferenz das Internet als "Neuland" bezeichnete. Ja, man kann sich trefflich darüber lustig machen. Ja, sie dürfte eigentlich gemeint haben, dass die gesellschaftspolitische Steuerung dessen, was im Internet passiert, für die Politik Neuland ist.

Das Problem ist: Diese Bemerkung zeigt, wie wenig sich die Politik bisher mit den gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Internets auseinandergesetzt hat. Es offenbart, dass die Riege der 50plus-Jährigen verkennt, wie schnell Entwicklungen in diesem Umfeld ablaufen. Und das ist wirklich, wirklich schlimm.

Fakt ist, dass die Wahrnehmungswirklichkeit zwischen der Fraktion RohrpostTelefon und der Netzgeneration so weit auseinander gedriftet ist, dass Erstere nicht mal merkt, wenn sie etwas Lustiges sagt und Zweitere in einer Welt aufgewachsen ist, die es noch nie erforderte, einen Gegenstand physisch zu versenden (Brief vs. Mail) oder sich an einen bestimmten Ort zu begeben, um in direkte Kommunikation mit einem anderen Menschen zu kommen (Festnetz-Telefon vs. Mobilfunk-Skype).

#neuland

Frau Merkel hat sich also – ich unterstelle: sehr bewusst – selbst der Lächerlichkeit preisgegeben. Niemand erwartet, dass sie technisch immer am Puls der Zeit ist. Aber sie ist gut beraten, zu erkennen, dass sie und ihre Regierung sich in beschämender Weise zuwenig um die politische Bedeutung der sich durch das Internet verändernden Welt gekümmert zu haben.

Ja, es gibt viele Menschen, für die das Internet Neuland ist. Aber es ist Aufgabe der Politik, diese Menschen an das Internet heranzuführen, sie fit zu machen, die Möglichkeiten aktiv zu nutzen.

Angstgeleitete Überwachung ist sicherlich der falsche Weg, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Das Netz geht nicht mehr weg. Es muss gegen Missbrauch durch Wirtschaftsinteressen und Abhöraktionen sicher gemacht werden. Es muss endlich in seiner politischen Bedeutung erkannt und als gesellschaftstragendes Medium geschützt werden.

Kein Verfahren gegen GuttenZwerg?

Ich bin mal gespannt, ob die Autoren, deren Texte Herr von und zu GuttenZwerg so fleißig als Grundlage für seine Doktorarbeit nutzte, tatsächlich nicht gegen ihn klagen. Und ob das zuständige Gericht tatsächlich glaubt, anschließend wegen mangelnden öffentlichen Interesses kein Verfahren einleiten zu müssen. Mehr dazu steht heute in der Berliner Zeitung.

Für mich stehen mittlerweile zwei Dinge fest. Denn ich kann mir in beiden Punkten nichts anderes mehr vorstellen:

  1. Eine Rückkehr in die große Politik kann und darf es für Herrn GuttenZwerg nicht geben. Auch nach all den Monaten scheint er keinerlei Gründe zu sehen, warum er sich schämen und vor der Öffentlichkeit zu Kreuze kriechen sollte. Das ist charakterlich mehr als bedenklich und darüber hinaus völlig verantwortungslos gegenüber allen Studierenden.
  2. GuttenZwerg hat die Arbeit niemals selbst geschrieben. Sein Verhalten seit Bekanntwerden der ersten Plagiatsvorwürfe bestärkt mich in diese Auffasung. Und innerhalb seines Wahrnehmungshorizontes ist das vermutlich die einzig denkbare, noch größere Schande: dass es herauskommen könnte.

Menschen machen Fehler. Und das ist auch gut so. Aber sie sollten dazu stehen.

Über den wissenschaftlichen Ehrbegriff

Unser Selbstverteidungsminister Guttenberg ist im Februar aufgeflogen. Nachdem er in allen vorherigen Konstellationen stets einem Team vorstand, dessen Gesamtleistung in der Öffentlichkeit als „below par“ eingeschätzt wurde, steht er nun mit seiner Doktorarbeit ohne mögliche andere „Mitschuldige“ nackig in freier Natur.

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