Archiv der Kategorie: Allgemein

Was willst du?

Ein agenturinterner Reklame-Dialog

Wenn Menschen unvorbereitet den Auftrag, den sie empfangen haben, in dich weiterkotzen, klingt das so:

„Ich brauche mal das Logo!“

„Welches?“

„Das hier vom Kunden.“

„Habe ich nicht.“

„Das ist bei der Firma xxx“

„Dann sollen die es dir geben.“

„Und ich brauche dieses Logo hier.“

„Welches genau? Da gibt es 1.000 Varianten.“

„Na das, was in der Broschüre xxx der Firma yyy verwendet wurde.“

„Du meinst, es gibt schon ein Produkt auf einem fremden Server, das ich suchen soll? Wo ist das genau?“

„Ach, ich frage jemand anderen.“

„Schüss!“

Besser wäre gewesen:

[Nachdenken]

„Ich habe hier eine Broschüre. Die hat Firma yyy erstellt und ich brauche daraus schnell folgende Logos zur Verwendung bei …“

„Okay.“

#Aufschrei

Lange habe ich überlegt, ob ich irgendwas Flammendes zur laufenden #Aufschrei-Diskussion auf Twitter schreiben sollte. Aber eigentlich resigniere ich nur.

Und das liegt daran, dass stammhirnige Männer (im Geiste; die Einordung ist im Kern lebensalterunabhängig), die bisher – und vermutlich auch in Zukunft – keine Veranlassung sahen und sehen, ihre respektfreien Handlungsweisen im Alltag zu überdenken, sich weiterhin frei äußern dürfen ohne auch nur ansatzweise eine Grundscham zu entwickeln.

Das ist einfach nur peinlich.

Vermutlich hat jeder Mann seine #Aufschrei-Leichen im Keller. Und so wie Frauen manchmal erst darüber nachdenken müssen, ob sie solche Erlebnisse hatten – so tritt auch Männern der kalte Schweiß auf die Stirn, wenn sie kurz darüber nachdenken, was sie schon alles gesagt und getan haben, das genau in die #Aufschrei-Schablone passt.

Politiker sollten nicht den Fehler machen, den „undercurrent“, die tiefe, kraftvolle Strömung, die dieses wenige Tage alte „Twitterphänomen“ besitzt, zu unterschätzen. Achtet sehr darauf, was ihr sagt, welche Einsichten ihr zeigt und ob ihr weiter knackige Sprüche absondert, die euren begrenzten Horizont aufleuchten lassen. Wenn ihr es tut, seid auf einen vollständigen Dammbruch gefasst. Denn jede Frau hat diese Erlebnisse. Eure eigene, eure Töchter, eure Mütter.

Und, liebe Politiker, es ist eure Aufgabe, eine Haltung vorzuleben, die von tiefem Respekt der Menschen untereinander geprägt ist. Aber damit habt ihr ja ohnehin oft ein Problem.

In dieser Diskussion geht es neben fehlendem Respekt insbesondere auch um den Missbrauch einer Machtposition: Fragt eure Töchter, was sie an Schulen mit Lehrern erlebt haben. Fragt eure Frauen, was sie am Arbeitsplatz mit Kollegen und Vorgesetzten erlebt haben. Wenn ihr dann nicht vor Scham im Boden versinkt, habt ihr ein Problem, das ihr mit professioneller Hilfe angehen solltet. Die Zeit der Duldung ist abgelaufen. Stellt euch darauf ein, dass ihr künftig als Mentaldinosaurier wahrgenommen und belächelt werdet, wenn ihr euer Verhalten nicht ändert.

Ja, auch ich habe gesündigt. Manchmal habe ich es bemerkt. Sehr, nein, viel zu selten bekam ich dafür (verbal) eins in die Fresse. Aber ich habe es gespürt, wenn ich die #Aufschrei-Grenze überschritten habe. Und ich lernte daraus, mein Gegenüber deutlicher, weniger egomanisch und liebevoller wahrzunehmen; mehr Respekt zu leben.

Achtet euer Gegenüber. Immer.

Ich glaube nur an einen Gott

Und dieser Gott ist @derherrgott … und ich glaube nur an ihn, weil er selbst nicht an sich glaubt. Wer das besser verstehen möchte, konsultiere die göttliche Zentrale; von dort ausgehend wird der geneigte Leser mehr erfahren …

Nun hat mir @derhergott via Twitter kürzlich den Auftrag erteilt, einige Fragen zu beantworten. Da ich den Widerspruch „allwissend“ vs. „neugierig“ als schmunzelnd gläubiges Schaf akzeptiere UND heute auch noch der 29. Februar ist, hier meine Antworten auf die gestellten Fragen:

  1. Was war das Bekloppteste, das Ihr bislang träumen durftet?
  2. Welche Temperatur sollte Euer Essen im Idealfall haben?
  3. Welches Thema interessiert Euch weltweit von allen Nachrichten am Allerwenigsten und warum?
  4. Wen würdet Ihr zum Weltpräsidenten ernennen (mit Begründung)?
  5. Wenn Ihr ohne Einschränkungen finanzieller oder zeitlicher Natur ein Hobby ausüben könntet, was wäre das?

1. Beklopptentraum:

Als Kindergartenkind habe ich mal geträumt, dass ich auf Stegen, die zwischen himmelshohen hölzernen Türmen verlaufen, weite Strecken überwinden kann.

2. Essenstemperatur:

Perfektion: die selbstgemachten Wan-tans von @ne_ratte – gerade nachdem die Knusperwunder ihr überschüssiges Fritieröl auf Küchenkrepp abgelegt haben. Heissssss!

3. Nachrichtendesinteresse:

Jedwede Jammerbankernews.

4. Weltpräsident:

Nelson Mandela. Wer meint, es diskutieren zu müssen: erstmal seine Biographie lesen. Dann können wir uns unterhalten.

5. Hobby:

Ich fürchte, dann würde ich Dampflokomotiven sammeln und Kindern beibringen, damit zu fahren.

Damit genüge ich meiner göttlichen Berichtspflicht – und sprenge die Kette.

<verneig>

Krawatte, 20, sucht hageren Angestellten

Casino Wiesbaden, 1998

Ein Besuch in der Wiesbadener Spielbank

„Personalausweis bitte!“ – Pause – „Ihr erster Besuch hier?“
Der Mann, der hinter der Theke sitzt und mich über seine reichlich aus der Mode gekommene Brille hinweg kurz aber präzise ansieht wie ein Zöllner stellt seine übliche Frage.

Es ist der erste Besuch: „Ja.“ – „Fünf Mark, bitte“.

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Hamburg-Mannheimer … mehr vom Leben!

Eigentlich wollte ich die der Prostitution frönenden Versicherungsvertreter ihrer armseligen Wege ziehen lassen … aber seit ich heute eine offizielle Stellungsnahme der ERGO zu einem Teilaspekt einer ähnlich unsäglichen Veranstaltung auf Malle gelesen habe, muss ich mein Schweigen brechen:

Liebe ERGO, ihr gebt gerade sehr viel Geld dafür aus, euch als „andere“ Versicherung in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Darf ich euch ein Geheimnis verraten? Mit den aktuell bekannt gewordenen „Enthüllungen“ (sic!) habt ihr einen Großteil des zu diesem Zweck aufgewendeten Geldes offiziell verbrannt. Habt ihr schon viele Dankschreiben eurer Kunden erhalten?

Ein Tipp:

Beginnt BLITZARTIG ultratransparent zu machen, wieviele dieser beeindruckenden FreePopping-Veranstaltungen für frustrierte Klinkenputzer ihr veranstaltet habt – oder packt einfach direkt ein.

Und noch ein Tipp:

Gebt der armen Pressesprecherin, die ihr Gesicht dafür hergeben musste, der Welt zu erklären, dass man das Salz zum Tequila SCHNUPFT, die ganze Kohle, die ihr in den nächsten 10 Jahren für solche Veranstaltungen eingeplant hattet. Sie hat jeden Cent davon sauer verdient.

Aufstand der Kalbshirne?

Würzige Luft. Auf jeden Schritt achten. Lustige Geräusche: Ferien auf dem Bauernhof.

Ständig werden Kälber geboren. Und das wird allseits geübt-technisch abgewickelt. Die betroffene Kuh stapft wiederkäuend umher, kippt um und presst das Kalb heraus. Der Bauer kommt, bindet einen Strick um einen Huf des Kälbchens und zieht. Kontrollblick: Milch oder Fleisch?

Die Kuh rappelt sich, schlotzt das Neugeborene ab, das sich seinerseits auf die Beine stellt. Kurz drauf kehrt der Landwirt zurück und steckt das neue Kalb in einen hüfthohen Drahtkäfig von zwei mal einem Meter Fläche.

Tag 1: Das Kalb starrt.

Tag 2: Das Kalb versucht herumzubockeln. Da es selbst ungefähr 80cm lang ist, kann im Drahtverhau nicht viel Bockelei stattfinden.

Tag 3: Der Lkw kommt und holt die neuen Kälber mit dem falschen Geschlecht (= Fleisch) ab. Das falsche Geschlecht erspart dem Tier, weswegen ich hier schreibe:

Die weiblichen Kälber stehen weiterhin in den Boxen herum. Kaum auf der Welt, sehen sie sich auf zwei Quadratmeter begrenzt. Das macht man wohl, damit kein Bezug zur Mutter entsteht. Zwei Quadratmeter, hinter denen nur braun lasiertes Holz sichtbar ist. Ab und zu kommt jemand vorbei und füllt den Milcheimer. That was it.

Und was passiert in diesem Kalbshirn?

Wege – Ziele – Lebenserfahrungen

Gestern wollte ich meiner blechernen Lust nachgehen und mir ein Auto ohne Dach anschauen. Welch‘ lehrreichen Werkstattbesuch sollte ich vor mir haben …

Da ich soetwas schon öfter gemacht habe, weiß ich, dass es stets besser ist, sich gebrauchte Autos möglichst nicht alleine anzusehen. Idealerweise sollten sich die visuellen und kommunikativen Kompetenzen der beteiligten begutachtenden Personen möglichst nicht allzu sehr überschneiden; auf diesem Weg können viele Eindrücke in kurzer Zeit in die Bewertung aufgenommen werden.

Kurz und gut; ich wusste einen Nachbarn und Kenner der betreffenden Fahrzeuge an meiner Seite, der sich glücklicherweise Zeit für mich nahm. Denn so wurde aus dem Ausflug eine gemeinsame Lebenserfahrung – und es blieb keine reine Zeitvergeudung.

Konkret wollte ich mir dieses Auto genauer anschauen:  Wege – Ziele – Lebenserfahrungen weiterlesen

Kein Verfahren gegen GuttenZwerg?

Ich bin mal gespannt, ob die Autoren, deren Texte Herr von und zu GuttenZwerg so fleißig als Grundlage für seine Doktorarbeit nutzte, tatsächlich nicht gegen ihn klagen. Und ob das zuständige Gericht tatsächlich glaubt, anschließend wegen mangelnden öffentlichen Interesses kein Verfahren einleiten zu müssen. Mehr dazu steht heute in der Berliner Zeitung.

Für mich stehen mittlerweile zwei Dinge fest. Denn ich kann mir in beiden Punkten nichts anderes mehr vorstellen:

  1. Eine Rückkehr in die große Politik kann und darf es für Herrn GuttenZwerg nicht geben. Auch nach all den Monaten scheint er keinerlei Gründe zu sehen, warum er sich schämen und vor der Öffentlichkeit zu Kreuze kriechen sollte. Das ist charakterlich mehr als bedenklich und darüber hinaus völlig verantwortungslos gegenüber allen Studierenden.
  2. GuttenZwerg hat die Arbeit niemals selbst geschrieben. Sein Verhalten seit Bekanntwerden der ersten Plagiatsvorwürfe bestärkt mich in diese Auffasung. Und innerhalb seines Wahrnehmungshorizontes ist das vermutlich die einzig denkbare, noch größere Schande: dass es herauskommen könnte.

Menschen machen Fehler. Und das ist auch gut so. Aber sie sollten dazu stehen.