Die ARD und die Sonntagstalkshow

Ich ärgere mich über die ARD. Sehr.

Ich denke, ich ärgere mich hauptsächlich, weil vor meinem geistigen Auge ein Haufen alter Säcke zigarrenqualmend in seinen Clubsesseln verschimmelt und nach Gutdünken bescheidet, wer den exklusiven Sendeplatz am Sonntagabend füllen soll.

Der Altherrenclub beschied, dass Frau Christiansen das machen soll. Er beschied, dass Frau Will das machen soll. Er beschied, dass Herr Jauch das machen soll. Und nun beschied er wieder, dass Frau Will das machen soll.

Dass ich gerade Herrn Jauch auf diesem Platz für eine der grausamsten Fehlentscheidungen der Sesselschimmler halte, mag mich nun besonders ungehalten machen.

Anstatt im neuen Jahrtausend anzukommen, aufzustehen, die Fenster zu öffnen und den Dunst von 1.000 Jahren durch frische Bergluft zu ersetzen, bescheidet der Club der Ewighirntoten – in einem Akt kaum zu überbietender Erbärmlichkeit – wieder Frau Will auf diesen Sendeplatz zu hieven.

Die Tatsache, dass sie es offenbar auch noch macht, reduziert meine Achtung vor Frau Will übrigens beträchtlich.

Was ich mir gewünscht hätte

Würden diese ARD-Gremien „normal“ funktionieren, hätte man die kommenden SECHS MONATE genutzt, dieses Sendeformat mal kurz zu überdenken.

Man beachte: Offenbar wollte man Herrn Jauch an dieser Stelle haben, weil man insbesondere ein jüngeres Publikum interessieren und binden wollte. Und dann holt man Frau Will zurück.

Merkt ihr noch was, ihr Clubsessel-Zombies?

In einer intelligenten, angstfreien ARD würde man eine junge Redaktion engagieren, die nicht nur tausendfach durch den eigenen Saft gezogene Politiker auf die Bühne flatscht, sondern die Themen wesentlich breiter, gesellschaftkritisch und frisch aufbereitet. Gerne auch mit zwei Moderatoren wenn es hilft; einmal jung und wild, einmal alt und schlau.

Und man würde selbst produzieren. Öffentlich-rechtlich unabhängig – und nicht mit Moderatorenunternehmen, die auch noch Geld verdienen wollen und müssen.

Chance vertan, ARD. Es ist wohl an der Zeit, unterzugehen.

Ein Gedanke zu „Die ARD und die Sonntagstalkshow“

  1. Nahezu im Alter der „alten Säcke in ihren Clubsesseln“, und damit der angeblich so interessierten Zielgruppe zugehörig, muss ich nun auch sagen, dass der Sonntagabendtalk der ARD zum Fadesten gehört was die Öffentlich-Rechtlichen zu bieten haben. Ich habe daher schon vor vielen Jahren aufgehört diese Sendung einzuschalten, obwohl ich natürlich Frau C., Frau W. und auch Herrn J. erst einmal jede Chance gegeben habe, mich für ihre Plaudereien zu begeistern. Die Plattform, die dort geboten wurde und wird, die ewig gleiche Klientel, die sich in der Sendung darstellen und beweihräuchern kann, die wachsweichen und uninspirierten Moderationen nerven. Es ist einfach nur schade um den schönen Sendeplatz. Wenn überall die alten Herren regieren, wie im ARD-Vatikan muss sich niemand wundern, wenn sich junge Menschen weder für Politik noch fürs Fernsehen interessieren.
    Was meine Alterszielgruppe angeht befürchte ich, dass man uns zu Tode langweilen möchte, so kann man auch biologische Lösungen herbeiführen. ☺

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