Pegida und das Vertrauen

Wäre es nicht so entsetzlich traurig zu sehen, wie schwer sich die etablierte Politik und die Medien mit Pegida in Dresden tun, es wäre vielleicht lustig.

Mein Gefühl ist relativ eindeutig, wer da auf der Straße ist. Leider fehlen mir Informationen, ob Politik und Medien sich überhaupt redlich bemühen, herauszubekommen, ob das tatsächlich so ist. Man regt sich lieber – vorsichtig, ein bisschen – darüber auf, dass es Pegida gibt.

Ich denke, dass Pegida sich im Moment primär aus den Personen zusammensetzt, die sich in unserer verkommenen ehemaligen sozialen Marktwirtschaft „abgehängt“ fühlen. Und es wohl auch tatsächlich sind. Es sind Menschen, die weder in der Bundesrepublik, noch in ihrem politischen System irgendeine Möglichkeit sehen, ihre Interessen vertreten zu wissen. Es sind jene, die nicht mehr wählen gehen. Es sind jene, die sich eine Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht leisten können. Es sind jene, die jeden Tag Angst davor haben, dass ihr fragiles Leben durch einen minimalen externen Impuls völlig in sich zusammenbricht und sie vollkommen abstürzen. Da es kein soziales Netz mehr gibt, bedeutet Absturz Entwürdigung durch Hartz IV.

Und so ein ganz kleines bisschen wissen Politik und Medien das auch. Und deswegen tun sie sich auch so schwer, wirklich draufzuhauen. Weil sie genau wissen:

Es gibt sehr viele Menschen in diesem Land, die kein Vertrauen mehr in Politik und Medien haben. Viel mehr, als in Dresden auf die Straße gehen. Jene 50%, die regelmäßig nicht mehr zu Wahlen gehen. Politik und Medien möchten ihrerseits das System nicht zum Kollabieren bringen. Es gilt, Pfründe zu wahren. Daher dieser unerträgliche Tanz auf rohen Eiern.

Aber: Ohne Vertrauen funktioniert dieses Land nicht. Daher wurde es nach dem Krieg von schlauen Menschen als soziale Marktwirtschaft konzipiert. Aber die Bundesrepublik ist nicht mehr sozial.

Die rechten Töne, die bei den Pegida-Kundgebungen immer wieder durchdringen und auf die man sich anschließend bei Politik und Medien vornehmlich kapriziert; diese Töne könnte man aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts kennen. Aber, merkwürdigerweise, sieht man das Problem immer nur bei den Demonstranten – nicht bei einer über Jahrzehnte aufgebauten Politik, die immer mehr Bürger von der Teilhabe abschneidet, während am oberen Ende der Gesellschaft immer mehr Besitz kumuliert wird. Natürlich ist das ein fruchtbarer Boden für rechte Parolen. Die Linken werden ja fleißig diskreditiert seit die Mauer gefallen ist. Rechts ist noch Platz. Wie gerade die CSU verantwortungsloserweise nie müde wird, aufzuzeigen.

Die etablierte Politik, die Medien wissen das auch. Und sie versuchen stets, das unter den Teppich zu kehren. Wenn man Teil des vom „Wachstum“ profitierenden Teils der Republik ist, sieht man das natürlich anders.

Aus diesem Grund wird der Keim Pegida auch nicht mehr verschwinden. Und diesen Keim mit alten, unangemessenen Mitteln zu bekämpfen, wird mittelfristig große Unruhe auslösen. Diesen Keim zu bekämpfen, wird weitere Gruppen von der politischen Partizipation in diesem Land entfremden.

Vielleicht haben wir ja doch noch ein paar schlaue Politiker herumlaufen, die erkennen, dass ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel eingeleitet werden muss. Dass es nicht reicht, nur von einer Hälfte der Bevölkerung gewählt zu werden.

Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.

Update 1:

Der Spiegel berichtet über die Zusammensetzung der Pegida-Mitläufer.

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