Schatz, das Geld ist kaputt

Was das Thema Geld angeht, lebe ich in zwei Welten. Und das schon seit einiger Zeit. Gerade kam mir der Gedanke, dass es vermutlich daran liegt, dass „Geld“ als Konzept kaputt ist.

Welt 1 – Leben nach altbekanntem Konzept

Tagsüber gehe ich arbeiten. Das mache ich jetzt seit 20 Jahren und ich bekomme heute etwas mehr als doppelt so viel ausgezahlt wie am Anfang. Mein Einkommen lag stets etwas oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts. Ich mache gut, was ich arbeite. Mein Anspruch an die Qualität meiner Arbeitsergebnisse ist hoch, ich versuche viel „über den Tellerrand“ zu blicken und stets besser zu werden.

Ich verhalte mich brav, habe, seit ich arbeite, einen Steuerberater und gehe bewusst mit meinem Einkommen um. Etwa zur Halbzeit legte ich mir eine Familie zu; Frau und Kind. Wenn ich mich versichern sollte, tat ich es. Man sprach in mich, seitens der Politik, hinein, dass ich selbst etwas für meine Altersvorsorge tun müsse; nun gut.

Bei all dem habe ich nie genug Geld verdient, um Rücklagen zu bilden, die mich oder meine Familie über schlechte Zeiten bringen könnten. Also konnte ich auch nie eine Startfinanzierung für Wohneigentum aus eigener Kraft schaffen.

Die alte Welt verdient viel Geld mit mir. Leider fällt mir gerade nicht ein, wo die alte Welt in den letzten 20 Jahren etwas für mich getan hat.

Welt 2 – Fehlendes Geld

Da mein Leben in der ersten Welt zuwenig Einkommen generiert, um mit meinen Lieben unbeschwert in einen Urlaub zu fahren, muss ich dafür sorgen, dass es mehr Geld gibt.

Das bedeutet zum einen, dass ich abends nach Hause komme und gegen Rechnung ähnliche Dinge wie tagsüber tue. Rechnet man beides zusammen, arbeite ich im Regelfall etwa 10 Stunden* am Tag und versuche meiner Tochter dennoch ein stabiles Umfeld mit zwei gemeinsamen Mahlzeiten und interessierten Gesprächen zu liefern.

Im Laufe der Jahre ist aber wichtiger geworden, sowohl mir selbst als auch Freunden und Bekannten dabei zu helfen, gar nicht erst Geld zu transferieren – sondern, ohne Zeiten gegeneinander aufzurechnen, an Stellen zu helfen, wo ich etwas gut und sie nicht so gut können. Umgekehrt geben sie irgendwann irgendetwas zurück, was ich, was wir gut brauchen können.

Spannend daran: Die Anteilnahme für das Leben der anderen wächst, man rückt enger zusammen – und man braucht kein Geld.

So wie früher. Vor dem „altbekannten“ Konzept. Ganz ohne Banken, die fleißig an meinem Leben in Welt 1 mitverdienen ohne jemals etwas für mich getan zu haben.


* 10 Stunden

Meine Frau sagt, ich solle schreiben, wieviele Stunden ich wirklich arbeite; das wären umgerechnet wenigstens 12. Aber das würde niemand glauben, also schreibe ich 10.

Ein Gedanke zu „Schatz, das Geld ist kaputt“

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