Bundeswäh.

Die Bundeswehr. Ich darf was dazu sagen, weil ich nach dem Abi 1991 ein Jahr lang bei dem Verein mitspielen durfte. Damals fand ich das ziemlich blöd; aber man arrangiert sich.

Aus heutiger Sicht war es eine wertvolle Erfahrung, denn ich habe Einblicke erhalten, die es mir heute ermöglichen zu verstehen, wo Militarismus herkommen kann – und wie er möglicherweise zu verhindern ist.

Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt:

„Meine“ Bundeswehr war eine Wehrpflichtarmee. Und sie war noch ziemlich groß – weit über 400.000 Mann. Heute ist es gerade noch die Hälfte – und die Fläche der DDR kam zum „Einsatzgebiet“ hinzu.

Die Anzahl der „Söldner“ – Zeitsoldaten – war sehr übersichtlich. Sie versuchten, ihren Eifer im Zaum zu halten; denn zuviel Freude am Kriegsspiel kam unter den Wehrpflichtigen nicht gut an. Die Kasernen waren voll von Wehrpflichtigen.

In unserer Kaserne wurden die Gebäude nach Einzugszeitpunkt gefüllt. Es gab die Blöcke, in denen eher Rekruten landeten, die mit ihrer Ausbildung fertig waren. Es gab Blöcke, die von Abiturienten überliefen. Ich wurde zum 1. Oktober gezogen – wir hatten alles im Programm: gescheiterte Existenzen, junge Familienväter, die nicht verstanden, warum sie überhaupt eingezogen wurden, Gesellen, Zeitsoldaten und verpeilte Gymnasiasten wie ich es war. Auf meiner Stube reichte die Altersbandbreite von zarten 18 bis zu gestandenen 28 Jahren – alles Wehrpflichtige.

Entscheidend ist, dass diese Mischung sicherstellte, dass die Bundeswehr tatsächlich das war, was im Grundgesetz steht: eine Armee von mündigen Bürgern. Wenn ein 20-jähriger Stabsunteroffizier einem 25-jährigen Meister, der Rekrut spielen soll und das Jahr hinter sich bringen will, zu sehr auf die Nerven fällt, muss er argumentieren. Konventionelles „Befehlen“ funktioniert nicht. Solche Konstellationen gibt es nur in einer Wehrpflichtarmee – und deswegen halte ich weiterhin die Aussetzung der Wehrpflicht für einen absolut unverzeihlichen, kapitalen Fehler.

Die Bundeswehr und das Geld

Als ich mit einem Gewehr herumrannte, war die Mauer gerade gefallen und man war noch dabei, den „kalten Krieg“ aus den Hirnen zu bekommen. Die Politik und verstörte Offiziere versuchten, die Armee auf neue Einsatzfelder wie den Balkan vorzubereiten. Auslandseinsätze waren noch verboten, die Ausstattung alt aber reichlich. Es war klar, dass es zu großen Veränderungen kommen würde, die alle überfordern.

Ich muss schmunzeln, wenn ich höre, dass das Gerät heute offenkundig einsatzuntauglich ist. Das galt auch 1991 für weite Teile der Ausrüstung. Damals juckte es nur niemanden – weil klar war, dass man es nicht wirklich braucht. Meine Knarre, das knorrige G3, war meiner Erinnerung nach im Jahr 1963 hergestellt worden. Man konnte damit so halbwegs in die Richtung schießen, die man beabsichtigte. Hätte man mich damit in den Krieg geschickt, hätte ich damit zuerst die Politiker erschossen, die mich mit so einem räudigen Material zur Landesverteidigung abstellen. Aber so war alles ja nur ein Spiel …

Unverantwortlichkeit

Spätestens ab dem Zeitpunkt, zu dem die Bundeswehr ins Ausland gejagt wurde, hätte sie sauber finanziert werden müssen. Die spannende Frage ist also:

Wer hat das verhindert?

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