Die Abgeschnittenen

Es ist 1989. Du bist Mitte 20 in dem Teil der Welt, der kurz darauf als Neufünfland bekannt werden wird. Irgendwo in einem kleinen Städtchen arbeitest du seit ein paar Jahren bei einem volkseigenen Betrieb und machst etwas, wofür du Geld bekommst. Du ahnst, dass die Welt sich auch weiterdrehen würde, wenn du diese Tätigkeit nicht ausführen würdest. Oder dass jeder andere sie ebenfalls ausführen könnte. Du bist nicht an dieser Stelle, weil du es dir ausgesucht hast. Man befand, dass du dort hinzupassen hast.

Du wurdest in eine Welt geboren, in der deine Eltern über Jahrzehnte lernen mussten, mit offener und verdeckter staatlicher Gewalt umzugehen. Staatliche Gewalt, die andere Ziele verfolgt als sie offen kommuniziert. Was deine Eltern dabei lernten, gaben sie dir mit. Damit es dir ein bisschen besser geht als ihnen selbst, damit du dich etwas unauffälliger – und damit freier – in dieser Umgebung bewegen kannst.

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Römertopf-Brot

Weil ich immer wieder gefragt werde, was in meinem <knister<-Brot drinsteckt – hier das Rezept:

Zutaten:

  • 250g Vollkornschrot. Ich kaufe im Reformhaus Dinkel- oder Roggenkorn und lasse es dort recht grob schroten
  • 400g Weizenmehl Typ 550
  • 10–20g Leinsamen
  • 30–50g Sonnenblumenkerne
  • 1 TL Trockenhefe
  • 1–2 TL feines Meersalz
  • etwa 450 ml Wasser – Vorsicht; Teig darf nicht zu flüssig sein!

Brot aus dem Römertopf

Zubereitung:

Trockene Zutaten in einer großen Schüssel sehr sorgfältig vermengen. Ich mache das mit einem Teelöfel, damit es keine Mehlklumpen gibt.

Wasser nicht vollständig zugeben; wenn Teig zu fest wird, dann auch den Rest zugeben. Der Teig darf nicht zu flüssig sein, sonst lässt er sich in den weiteren Schritten nicht gut verarbeiten.

Teig in der Schüssel mit einem Teigschaber zu einer möglichst glatten Masse verrühren. Der Teigschaber muss sich unter mäßigem Kraftaufwand noch gut durch den Teig ziehen lassen.

Schüssel mit einem Tuch abdecken und mindestens 6 Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen.

Wenn es schnell gehen muss, backe ich direkt von diesem Teig. Das Brot wird aber kompakter und stimmiger, wenn man den Teig im ersten Schritt wenigstens 12 Stunden gehen lässt und ihn dann nochmal durchknetet und abermals gehen lässt:

Dazu Arbeitsfläche großzügig bemehlen und Teig darauf gleiten lassen. Ich knete den Teig nochmals kräftig durch, damit es keine Mehleinschlüsse gibt.

Nun den Teig auf ein stark bemehltes Tuch geben, einschlagen, und ihn nochmals für 2 bis 3 Stunden ruhen lassen.

Die tönerne Backform (Römertopf o.ä. – mit rauer Oberfläche) mit Wasser füllen und abstellen.

Nach wenigstens 90 Minuten Ruhezeit Backofen auf 250 °C vorheizen (Heißluft bevorzugt; wichtig ist aber nur die Temperatur). Gewässerte, leere Form schließen, in den Ofen stellen und 30 Minuten mit auf- und vorheizen.

Nach etwa 120 Minuten Ruhezeit heiße Form aus dem Ofen nehmen und den Brotteig hineingleiten lassen.

Form mit Deckel schließen und Teig 30 Minuten geschlossen bei 250 °C backen.

Nach 30 Minuten Deckel abnehmen und Brot etwa 10 Minuten offen fertigbacken. Für gewöhnlich ist das Brot nach 30 Minuten durchgebacken – das Offenbacken liefert eine krosse Kruste. Je nach gewünschter Bräune Brot herausnehmen.

Nach dem Backen das Brot auf ein Gitter zum Abkühlen stellen. Es sollte wenigstens eine Stunde abkühlen dürfen – dann ist es noch handwarm und kann schon geschnitten werden. Besser geht das, wenn es vollständig abgekühlt ist.

Was man bekommt

Das Ergebnis ist ein lockeres, sehr wohlschmeckendes Brot, das sich bei uns, in ein Tuch eingeschlagen, problemlos eine Woche hält. Am Ende der Woche – wenn es dann noch da ist – toasten wir die Scheiben.

Variationen:

Nüsse, Kräutersalz, frisch gehackte Kräuter, Zwiebeln, Knoblauch zugeben.

Die ARD und die Sonntagstalkshow

Ich ärgere mich über die ARD. Sehr.

Ich denke, ich ärgere mich hauptsächlich, weil vor meinem geistigen Auge ein Haufen alter Säcke zigarrenqualmend in seinen Clubsesseln verschimmelt und nach Gutdünken bescheidet, wer den exklusiven Sendeplatz am Sonntagabend füllen soll.

Der Altherrenclub beschied, dass Frau Christiansen das machen soll. Er beschied, dass Frau Will das machen soll. Er beschied, dass Herr Jauch das machen soll. Und nun beschied er wieder, dass Frau Will das machen soll.

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„In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger

Weshalb ich das las

Schmutztitel In Stahlgewittern

Ich gehöre einer Generation an, deren Großeltern als junge Erwachsene den zweiten Weltkrieg erlebt haben. Die eine Seite sprach viel von der Zeit, der Welt vor dem Krieg, den Eltern, deren Berufen, weniger vom Krieg selbst. Die Generation meiner Großeltern, geboren um 1918 herum, hatte wenig Zeit, selbst einen Beruf zu erlernen, Mensch zu werden.

Der eine Großvater holte mitunter weit aus und erzählte von „Gemetzeln“. Ein Ausdruck, der für jemanden wie mich, der 1971 in einer satten Bundesrepublik Deutschland geboren wurde, stets blass und irrational blieb. Aber es war klar, dass der Mann Dinge erlebt hat, die ich mir nicht vorstellen kann. Die Großmutter schüttelte nur den Kopf. Nein, dazu wollte sie nichts sagen. Sie hat als Krankenschwester die zerfetzten Körper flicken sollen. Reden? Besser nicht.

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Pegida und das Vertrauen

Wäre es nicht so entsetzlich traurig zu sehen, wie schwer sich die etablierte Politik und die Medien mit Pegida in Dresden tun, es wäre vielleicht lustig.

Mein Gefühl ist relativ eindeutig, wer da auf der Straße ist. Leider fehlen mir Informationen, ob Politik und Medien sich überhaupt redlich bemühen, herauszubekommen, ob das tatsächlich so ist. Man regt sich lieber – vorsichtig, ein bisschen – darüber auf, dass es Pegida gibt.

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Bundeswäh.

Die Bundeswehr. Ich darf was dazu sagen, weil ich nach dem Abi 1991 ein Jahr lang bei dem Verein mitspielen durfte. Damals fand ich das ziemlich blöd; aber man arrangiert sich.

Aus heutiger Sicht war es eine wertvolle Erfahrung, denn ich habe Einblicke erhalten, die es mir heute ermöglichen zu verstehen, wo Militarismus herkommen kann – und wie er möglicherweise zu verhindern ist.

Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt:

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Wer braucht Hebammen?

In unserer Gesellschaft, die noch immer getrieben ist von einer abstoßenden Wirtschafts- und Wachstumsgläubigkeit, braucht man natürlich keine Hebammen:

Denn in unseren Kliniken, die sich ja bekanntlich unglaublich viel Zeit für den einzelnen Menschen nehmen (können) und niemanden in die Welt schicken, ohne mal zu fragen, wer die Nachsorge übernimmt, sind werdende Mütter natürlich immer gut aufgehoben.

In dieser Gesellschaft, die sich weiterhin darüber beklagt, zuwenig Kinder zu bekommen, um eine sichere Zukunft zu haben; in dieser Gesellschaft, in der Kinder und Eltern wie Produktionsvieh im 19. Jahrhundert abgewickelt werden, ja, da haben Hebammen keinen Platz mehr. Sie könnten ja Fehler machen. Wie Kliniken auch.

Leider können sie die sich daraus ergebenden Versicherungsprämien nicht bezahlen. Weil sie halt keine Wirtschaftsbetriebe sind.

Erbärmliches, grundbescheuertes Deutschland.

Elite

Zur Elite zählt, wer über besondere Fähigkeiten verfügt und diese transparent und selbstlos zum Nutzen der Gesellschaft einsetzt.

Wer Geld für eine Ausbildung zahlt, die einzig seine Lebenssituation absichern soll und sich dabei noch über die Gesellschaft lustig macht – die ihm die soziale Sicherheit liefert, das tun zu können – ist ein wertloses Stück Scheiße eine Person, die dringend an sich arbeiten muss.

Alles klar?